Lufthansa-Tarifrunde 2026: Fakten-Check – Transparenz statt Inszenierung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach unserer letzten Veröffentlichung haben uns viele Fragen erreicht. Die wichtigste vorab: „Woher habt ihr diese Informationen, wenn Ihr nicht selbst am Verhandlungstisch sitzt?“

Diese Frage ist berechtigt. Deshalb möchten wir unsere Grundlage transparent erklären: Die Informationen, auf die wir uns beziehen, liegen uns seit über einer Woche vor. Sie stammen aus mehreren, voneinander unabhängigen Gesprächen mit Personen aus dem direkten Verhandlungsumfeld. Übereinstimmend wurde uns berichtet, dass es intern bereits ein Angebot zur Standortsicherung gibt. Ebenso wurde geschildert, dass diese Information nicht an die Belegschaft weitergegeben werden soll.

Wir vertreten die Auffassung, dass Informationen, die Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Einkommen haben, nicht im kleinen Kreis bleiben sollten – sie gehören in die betroffene Belegschaft. 

Die folgenden Beispiele aus jüngster Vergangenheit beziehen sich auf den Verhandlungsführer dieser Tarifrunde. Sie zeigen ein wiederkehrendes Muster: Öffentliche Aussagen und interne Erklärungen passen oft nicht zusammen. 

Beispiel 1: November/Dezember 2025: Am 5. November sprach der Verhandlungsführer in der Technik-Halle 5 (FRA) von einer Auslagerung der Wartungsarbeiten in eine GmbH ab 2027 und verknüpfte dies mit Lohnzurückhaltung in der anstehenden Tarifrunde. Im Dezember erklärte er in Seeheim vor Zeugen, er sei „missverstanden“ worden. Das Thema spielte seither keine Rolle mehr.

Beispiel 2: 13. Februar 2026: In einem Video behauptete der Verhandlungsführer, die Geschäftsleitung habe die Tarifkommission „stundenlang sitzen lassen“. Nach unseren Informationen revidierte er dies noch am selben Tag intern: Es habe Gespräche und ein Angebot gegeben, man wolle dies aber nicht kommunizieren, um die Stimmung auf der Station aufrechtzuerhalten.

Die Geschäftsleitung hat öffentlich klargestellt: Eine Auslagerung der Stationen Frankfurt und München ist derzeit kein Thema. Es läuft das Sparprogramm „Turnaround“, das auf mehrere Jahre angelegt ist. Erst wenn dieses langfristig nicht greifen sollte, müsste man überhaupt über weitere Maßnahmen diskutieren. Dennoch wird eine Drohkulisse aufgebaut.

Die klügere Strategie: Die Laufzeit entscheidet! 

Ein „Schutzabkommen“ gegen eine Gefahr, die aktuell nicht existiert, kostet den Arbeitgeber nichts, wird aber oft durch einen Verzicht beim Gehalt teuer erkauft.

Unser Ansatz ist ein anderer: Wenn man sich vor zukünftigen Szenarien nach dem „Turnaround“-Programm schützen will, ist eine kurze Laufzeit des Tarifvertrags das beste Mittel. So bleiben wir handlungsfähig. Sollte das Thema Auslagerung jemals real auf den Tisch kommen, können wir sofort wieder in den Arbeitskampf gehen. Ein symbolisches Papier schützt Euch weit weniger als die Freiheit, zum strategisch richtigen Zeitpunkt streiken zu dürfen. 

Die wirtschaftliche Lage: Geld ist vorhanden 

Während über Verzichtsszenarien debattiert wird, zeigt die Realität ein anderes Bild: Der Arbeitgeber hat Ende letzten Jahres durch Flugzeugverkäufe an die USA mehrere Hundertmillionen Euro erlöst. Warum wird dieses Kapital nicht in die Beschäftigten investiert, die täglich den Betrieb am Laufen halten? 

Nach unserer Beobachtung erhält das Thema Vergütung in dieser Tarifrunde zu wenig Aufmerksamkeit. 

Unsere Haltung für diese Tarifrunde: 

  1. Klare und ehrliche Kommunikation: Schluss mit falschen Behauptungen über nicht gekündigte Tarifverträge (Urlaubs-/Weihnachtsgeld) und Auslagerungen.
  2. Keine Verknüpfung: Standortfragen dürfen nicht zur Erpressung für Lohnzurückhaltung genutzt werden. 
  3. Reale Verbesserungen: Wir brauchen eine tabellenwirksame Reallohnerhöhung für alle – egal ob Station, Technik oder Cargo.

Wir respektieren unterschiedliche Strategien, aber die Belegschaft muss auf Basis vollständiger Informationen selbst urteilen können.

Euer AGiL-Vorstand