Dialog statt Blockade

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit heute befinden sich die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa Airlines und Lufthansa Cargo, organisiert in der Vereinigung Cockpit (VC), in einem zweitägigen Streik. Auch die Lufthansa CityLine streikt am heutigen Donnerstag. Hintergrund ist, dass der Arbeitgeber in den vergangenen Wochen kein neues Angebot vorgelegt hat und Gespräche damit faktisch blockiert.

Ein Streik ist immer das letzte Mittel. Er wird notwendig, wenn Gespräche nicht ernsthaft geführt werden und Arbeitnehmervertretungen mit ihren Anliegen nicht gehört werden.

Im Gegensatz zu anderen Bereichen – etwa bei unserem Tarifpartner am Boden, wo es bereits seit Wochen ein Angebot gab, das den Mitarbeitenden jedoch erst nach unserer Veröffentlichung zumindest teilweise offengelegt wurde – gibt es hier bislang überhaupt keine erkennbare Bereitschaft des Arbeitgebers, konstruktiv zu verhandeln.

Eine ähnliche Haltung erleben wir leider auch in vielen Themen der betrieblichen Mitbestimmung. Verhandlungen werden verzögert oder gar nicht erst geführt, Themen landen direkt vor der Einigungsstelle oder müssen sogar gerichtlich erzwungen werden. 

Der Eindruck drängt sich auf, dass diese Eskalation kein Zufall ist, sondern Teil einer Strategie: Mitbestimmung soll umgangen, starke Arbeitnehmervertretungen sollen geschwächt und aus echten Entscheidungsprozessen herausgehalten werden.

Eine solche Unternehmenskultur ist nicht förderlich. Wo Dialog verweigert und Mitbestimmung systematisch erschwert wird, ist Eskalation am Ende die logische Folge. Die Verantwortung für diese Situation liegt nicht bei den Beschäftigten, sondern bei einer Verhandlungshaltung des Arbeitgebers, die Dialog, Respekt und echte Mitbestimmung vermissen lässt.

Ebenso wichtig ist: Es darf nicht darum gehen, einzelne Beschäftigtengruppen gegeneinander auszuspielen. Solche Neiddebatten helfen am Ende nur einer Seite – und auch das ist häufig Teil der Strategie. Unser Zusammenhalt über Berufsgruppen hinweg ist deshalb umso wichtiger.

Mit solidarischen Grüßen

Euer AGiL-Vorstand